Der verschwundene Bildstock der Herma von Schuschnigg

Bildstock Einweihung

Der Bildstock vor der ehem. Kaserne


Vorgeschichte und Geschichte

Am 13. Juli 1935 verunglückte auf der Bundesstraße 1 ca. einen Kilometer unterhalb der ehemaligen Haltestelle Pichling (Stadtteil von Linz) der Florianerbahn der damalige Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg mit seinem Auto schwer. Bei diesem Unfall wurde die Frau des Bundeskanzlers, Herma von Schuschnigg, getötet.

Ernst Florian Winter, Sohn des damaligen Wiener Vizebürgermeisters Ernst Karl Winter, war als Zwölfjähriger Augenzeuge des Unfalls. Er erzählte für einen Zeitungsbericht im Juni 2002: " ....Es fuhren Schuschnigg mit seiner Frau in einem zweiten Auto. Im ersten waren, wie ich meine, Ostmärkische Sturmscharen. Im dritten und letzten des Konvois war mein Vater.... Bei der Abfahrt auf der Strengbergstraße, die damals, wie ich meine, dort noch mit Schotter bestand, kam Schuschniggs Chauffeur ins Schleudern und raste in einen Baum ...(sie) war sofort tot und er blieb am Leben, geschockt (...)"

Frau Herma von Schuschnigg war in der österreichischen Bevölkerung äusserst beliebt, und so überrascht es nicht sehr, dass nach einer Initiative des Frauenreferats der Vaterländischen Front ein knappes Jahr später, am 11.Juli 1936 in Klosterneuburg ein Gedenkstein für die so unglücklich zu Tode gekommene Frau des damaligen Bundeskanzlers enthüllt wurde. Bildstöcke bzw. Gedenk-Kapellen wurden übrigens auch in anderen Landesteilen (in Linz nahe der Unfallstelle, in St. Veit, Osttirol etc.) jeweils unter großer Anteilnahme der Bevölkerung errichtet. Der hier abgebildete Klosterneuburger Bildstock befand sich nahe der Kreuzung der heutigen Pater-Abel-Straße/Leopoldstraße etwa vor dem heutigen (November 2009) Postamt.



Rätselhaftes Ende

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 verschwand der Bildstock, wie so vieles, das an ein unabhängiges Österreich erinnerte, auf bis heute völlig ungeklärte Weise. Geschah die Entfernung auf Befehl der neuen Machthaber, waren übereifrige Kollaborateure am Werk oder wurde der Gedenkstein als politisch bedenklicher Sondermüll entsorgt ? Wo blieb der Bildstock ? Offensichtlich weiß das heute niemand mehr - er wurde einfach vergessen, oder nach einem abgewandelten Vers aus einem damals allgemein bekannten Kinderbuch formuliert: "Wo die Zeit ihn hingetragen, ja das weiß kein Mensch zu sagen..."

Einen Bericht zu diesem Thema von Frau Gerta Hartl aus dem Amtsblatt der Stadtgemeinde Klosterneuburg Nr. 1 /1986 finden sie hier



Quellen:
http://www.feuerwehr-ebelsberg.org
Osttiroler Heimatbätter, Nummer 11/2007
Amtsblatt der Stadtgemeinde Klosterneuburg/Kulturbeilage, Nr. 1/ 1986
Foto: Stadtarchiv Klosterneuburg
Gestaltung: Dipl.-Ing. Heinz Köfinger