KKG-Schenkung an das Stift Klosterneuburg

Eine seltene Tuschezeichnung als Geschenk
zum 900. Geburtstag des Stiftes Klosterneuburg


Kurze Vorgeschichte
(nach Dr. Ursula Müksch)

Auf einer ihrer "Schau- und Suchtouren durch einschlägige Geschäfte (Zitat)" wurde Frau Dr. Ursula Müksch von einem Händler angesprochen, der andeutete, dass er für sie "vielleicht etwas hätte". Beim ersten Blick durch die ziemlich verschmutzte Glasscheibe erkannte Frau Müksch eine Architekturzeichnung mit einem markanten Erker, und nach schnellem Abwischen der Verschmutzung war auch eine Bezeichnung samt Signatur erkennbar. Jetzt war klar, dass dieses gute Stück eigentlich nach Klosterneuburg gehörte. Die lange und gute Bekanntschaft mit der Kundin veranlasste den Händler schließlich ihr das Objekt mitzugeben zur Ansicht für potentielle Interessenten.

Eine erste Vorsprache im Stift bei Museumskurator MMag. Wolgang Huber ergab, dass das Stift schon ähnliche Architekturzeichnungen besaß. Das vorliegende Objekt, das noch mit Original-Rahmen und Original-Glas versehen war, sollte sich Herr Mag. Dr. Nicolaus Buhlmann, der neue "Kustos für stiftliche Sammlungen" ansehen. Dieser war nach Ansicht der Zeichnung bereit, bestenfalls die Hälfte des vom Händler verlangten Preises dafür auszugeben. Auch mit einer Preisreduktion konnte er sich wirklich nicht anfreunden.

Gerade an dem Tag aber, an dem Frau Müksch das Bild vom Stift abholen wollte um es dem Händler zurückzugeben, fand eine Vorstandssitzung der KKG statt, an der Dr. Müksch als wissenschaftlicher Beirat teilnahm. Das Thema kam dabei natürlich zur Sprache und da die Gesellschaft zu dieser Zeit finanziell eher positiv situiert war (sie hatte kurz vorher ein Buch herausgegeben, das sich recht gut verkaufte), beschlossen Obfrau und Vorstand kurzerhand die Tuschezeichnung anzukaufen um sie dem Stift zum 900-Jahr-Jubiläum (12. Juni 2014) als Geburtstagsgeschenk zu überreichen.


Das Architekturbild und seine Entstehung

Die Darstellung zeigt die ehemalige Stiftschule in der südwestlichen Ecke des stiftlichen Kuchelhofes, der ursprünglich den äusseren Klosterhof bildete. Der Trakt mit dem Doppelerker ist einer der schönsten gotischen Profanbauten Österreichs. Er wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts erbaut und hat sein Aussehen im Wesentlichen unverändert beibehalten. Ursprünglich diente er als Wohnung für vornehme Gäste des Stiftes, beherbergte später die vom Stift gegründete Obst- und Weinbauschule, anschließend die Volksschule und enthält heute das Archiv des Stiftes (sowie auch den Sitz der Klosterneuburger Kultur-Gesellschaft).

Die Tuschezeichnung,von der hier die Rede ist, wurde von Franz (Ferenc) Schömer (1859-1904) im Jahre 1879 angefertigt. Wie sein Bruder Josef Schömer arbeitete er unter Dombaumeister Friedrich von Schmidt an der neugotischen Umgestaltung der Klosterneuburger Stiftskirche mit. Während dieser Tätigkeit vermaß und zeichnete er auch den wunderbaren alten Erker im stiftlichen Kuchelhof. Franz Schömer wurde als zweites von vier Kindern des Militärbaumeisters Martin Schömer in Ungarn geboren. Er kam mit seiner Familie 1873 nach Klosterneuburg. Während drei der vier Kinder in ihrer neuen Heimat blieben, kehrte Franz wieder nach Ungarn zurück. Er hatte sein Architektur-Studium in Wien an der k.k. Akademie für bildende Künste unter dem bereits erwähnten Dombaumeister Friedrich von Schmidt sehr erfolgreich abgeschlossen. Nun entwarf er in Ungarn zahlreiche bekannte Bauten und wurde schließlich der Stammvater einer großen Familie, der wieder mehrere Archtekten entsprossen.


Edith spricht
Dr. Edith Specht spricht über den
Beweggrund für das Geburtstagsgeschenk.
Müksch spricht
Dr. Ursula Müksch erzählt
den Hergang des Bilderwerbs.
Bild 3
Inzwischen warten nette Köstlichkeiten
auf die Gäste.


Die Übergabe

Am Montag, dem 19. Mai 2014 war es dann soweit. Auf Einladung durch die Prälatur des Stiftes Klosterneuburg trafen sich die Obfrau und der Vorstand der Klosterneuburger Kultur-Gesellschaft beim Portier des Stiftes, wo das Geschenk-Bild "zwischengelagert" war, und während die Vorstandsmitglieder die Schenkung unterzeichneten, beförderte Herr Dr. Karl Holubar das Geschenk in die Prälatur. Um 16 Uhr fanden sich dann alle Beteiligten im Roten Salon zur Übergabe ein,

vom Stift Klosterneuburg:
Abt-Primas Bernhard Backovsky, Prof. Dr. Walter Simek, Kämmerer, Mag. Anton Höslinger, Sekretär des Abtprimas Dr. Karl Holubar, Stiftsarchivar, Walter Hanzmann, Pressesprecher des Stiftes,

von der Klosterneuburger Kultur-Gesellschaft:
Univ. Prof. Dr. Edith Specht, Obfrau der KKG, Dr. Ursula Müksch, Wissenschftl. Beirat, Mag. Dr. Christine Zippel, Dip.-Ing. Heinz Köfinger, Webmaster, Gerda Köfinger, Kassierin, Christine Mader, Schriftführerin

Zuerst sprach die Obfrau der KKG Dr. Edith Specht. Sie dankte für die jahrelange, gute Zusammenarbeit mit den stiftlichen Einrichtungen und deren freundliche Unterstützung der KKG, die ja auch hier seit langem ihre Heimatadresse hat. Auch für die kostenlosen bzw. günstigen Angebote an Spezialführungen und Räumlichkeiten fand sie Worte des Dankes. Als eine Danksagung meinte sie, sei auch das jetzige kleine Geburtstagsgeschenk zu sehen. Danach bestätigte Abtprimas Backovsky das traditionell gute Verhältnis zwischen Stift und KKG, bedankte sich für die Übergabe der alten Tuschezeichnung und wies darauf hin, dass private Überlassungen oft der Beginn einer neuen Sammlung sein können.

Der Rest dieses Nachmittags verging dann mit netten, sehr persönlichen Gesprächen zwischen dem hohen stiftlichen Klerus und dem Vorstand der Klosterneuburger Kultur-Gesellschaft verbunden mit köstlichen Brötchen und dem einen oder anderen Gläschen Klostersekt.

Propst Specht
Propst Bernhard Backovsky, das Bild,Dr. Edith Specht
PROPST UND kkg-vORSTAND
Gerda Köfinger, Abtprimas Backovsky und die KKG-Vorstandsmitglieder





Quellen:
Dr. Albert Starzer, Geschichte der landesfürstlichen Stadt Klosterneuburg
DDr. Floridus Röhrig, Wiener Geschichtsbücher, Klosterneuburg
Stadtgemeinde Klosterneuburg, Klosterneuburg Zentrum der Gotik, Ausstellung 1960
Dr. Ursula Müksch
Mag. Dr. Christine Zippel
Fotos: Walter Hanzmann, Gerda Köfinger, DI Heinz Köfinger
Gestaltung: Dipl.-Ing. Heinz Köfinger