Bedeutende Klosterneuburger


Josef Schömer
Baumeister und Bürgermeister


Ahnentafel
Auszug aus der Ahnentafel

Josef Schoemer
Bürgermeister Josef Schoemer 1929


Josef Schömer wurde am 8.12. 1857 in Babolna, Ungarn, als Sohn von Martin Schömer, einem gebürtigen Sudetendeutschen aus dem Raum Chodau bei Karlsbad in Böhmen, geboren. Der Vater war als Militärbaumeister in dieses Kronland der Monarchie versetzt worden. Hier kam auch sein Sohn Josef als ältestes von 4 Kindern (Geschwister: Franz, Rosina und Carl) zur Welt.

Um 1867, im Jahr des Ausgleichs, der geplanten Magyarisierung der deutschsprachigen Staatsbeamten zu entgehen, ließ sich Martin Schömer pensionieren und zog mit seiner fünfköpfigen Familie 1870 nach Wien, in der Absicht sich als selbstständiger Baumeister eine neue Existenz zu schaffen. Mit vorübergehenden Aufenthalten in Dornbach und Weidling gelangte die Familie schließlich nach Klosterneuburg, wo 1873 in der Leopoldstraße 30 das Familienstammhaus errichtet wurde. Ab 1874 war hier auch der Sitz der neugegründeten Baufirma.





Baumeister Martin Schömer starb am 29. 12. 1909 im Alter von 79 Jahren in Klosterneuburg. Während drei seiner vier Kinder in unserer Stadt blieben, kehrte Franz (Ferenc) Schömer aus familiären Gründen wieder nach Ungarn zurück. Er hatte an der k.k. Akademie der bildenden Künste in Wien unter Dombaumeister

Leopoldstr. 30
Familienstammhaus, Leopoldstr. 30


Agnesstr. 10
Carl Schömer, Agnesstr. 10

Friedrich Schmidt sein Architektur-Studium äusserst erfolgreich abgeschlossen, entwarf in Ungarn zahlreiche prominente Bauten und wurde schließlich zum Stammvater eines sehr umfangreichen Zweiges der Familie, dem auch zahlreiche Architekten entsprossen. Rosina Schömer heiratete Adolf Töpfer und Carl Schömer arbeitete als Baumeister und Inhaber einer Beton- und Kunststeinfirma eng mit seinem ältesten Bruder Josef zusammen. Sein Firmensitz befand sich im Haus Agnesstraße 10.

Josef Schömer besuchte von 1873-1875 die Baugewerbeschule. Als bei den ersten Restaurierungsarbeiten an der Stiftskirche Dombaumeister Friedrich von Schmidt auf ihn und seine Tüchtigkeit aufmerksam wurde, forderte er Schömer auf, an der Akademie der bildenden Künste die Meisterschule für Baukunst zu besuchen, was auch geschah. In den Jahren 1876 bis 1882, unterbrochen vom zweijährigen Militärdienst, vollendete er schließlich seine Studien.

Ab 1882 war Josef Schömer bauleitender Architekt bei den Umbauarbeiten im Stift Klosterneuburg, wo auch sein Vater Martin Schömer als Baumeister wirkte. 1890 erwarb er die Baumeisterkonzession und 1892 vollendete er mit Dombaumeister Schmidt den Ausbau der neugotischen Türme der Stiftskirche.

Im Jahr darauf wurde Schömer Bürger der Stadt Klosterneuburg, und ab 1897 begann seine Karriere als christlichsozialer Politiker im Gemeinderat dem er vorerst bis 1899 angehörte.

Beruflich war Schömer bei zahlreichen öffentlichen und privaten Bauten tätig, sei es als Architekt (z.B. Errichtung des Gymnasiums 1902/03, „Rumplerhaus“ Hermannstraße 12, 1904) oder mit seiner Firma ( Hauptschule Hermannstraße 1907/08, Villen in der heutigen Schömergasse 1909, Krankenhauszubau 1927/28). 1932 baute er die Kirche Maria Namen in Weidlingbach, eine Filialkirche der Pfarre Weidling.

1918, wieder in den Gemeinderat gewählt, begann der politische Aufstieg Josef Schömers. 1919 wurde er Vizebürgermeister und widmete seine Tätigkeit der Bewahrung des sozialen Friedens über alle Parteigrenzen hinweg, sowie dem Aufbau des kriegsbedingt darniederliegenden städtischen Verwaltungsapparates.

All diese Verdienste gaben dem damaligen Gemeinderat den Anlass, ihn am 7. 9. 1922 zum Bürgermeister zu wählen. In dieser Funktion wirkte Josef Schömer bis 1929. Dank seiner Objektivität, seines Wohltätigkeitssinnes und seines konzilianten Wesens genoss er unumschränktes Vertrauen und weitestgehende Sympathie in der Bevölkerung. Ein sachliches, konstruktives Verhältnis pflegte der christlichsoziale Bürgermeister Schömer mit seinem sozialdemokratischen Vizebürgermeister Josef Ochsner zum Wohle der Stadt. In diesem Sinn seien die Zu-und Einleitung des Hochquellenwassers oder auch der Ausbau des Strandbades erwähnt.

Josef Schömer starb nach einem erfüllten Leben am 26.6.1942.


Einige seiner Projekte

Gymnasium Gym Querschnitt Rumplerhaus Maria Namen


Beschreibung:  Bild 1: Gymnasium Klosterneuburg, Buchberggasse 31, Bild 2: Gymnasium - Querschnitt Bild 3: "Rumplerhaus"- Fassade, Hermannstraße 12 Bild 4: Kirche "Maria Namen", Weidlingbach


Quellen:
Schömerportrait: Stadtmuseum Klosterneuburg ©
Mag. Wolfgang Bäck, Stadtarchiv
Dr. Berthold Cernik,Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg, Geschichtliche Daten, 1958
Johannes-Wolfgang Neugebauer, Zur Geschichte der Erneuerung der
  Stiftskirche in Klosterneuburg seit 1882 unter Friedrich von Schmidt,
  Coloman Krieger und Martin und Josef Schömer
Fotos und Gestaltung: Dipl.-Ing Heinz Köfinger
Schömerportrait: Stadtmuseum Klosterneuburg ©