LEOPOLD WEINMAYER

Biographie
Am 19. Juli 1966 verstarb NR a.D. Bürgermeister Leopold Weinmayer. Er war nur ein Jahr als Bürgermeister im Amt, doch hat er nicht nur in diesem einen Jahr, sondern auch von 1953 bis 1966 als Abgeordneter zum Nationalrat für Klosterneuburg enorm viel geleistet und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt. Aufgrund seiner starken Persönlichkeit und seiner hohen charakterlichen Integrität war er weit über die Parteigrenzen hinaus geachtet und genoß große Beliebtheit bei der Bevölkerung.

Leopold Weinmayer wurde am 9. Oktober 1904 in Wien geboren. Sein Vater, ein Weinhauer, starb 1923 und hinterließ die Witwe mit sieben unmündigen Kindern. Nach dem Besuch der Volks- und Hauptschule trat Leopold Weinmayer 1919 in den Post- und Telegrafendienst ein. Schon damals begann seine aktive Mitarbeit in katholischen Organisationen. Nach seiner 1929 erfolgten Verehelichung wurde ihm 1930 ein Sohn und 1934 eine Tochter geboren. Von 1934 bis 1938 war Leopold Weinmayer Geschäftsführender Gemeinderat der Stadt Klosterneuburg, von 1936 an Bezirksobmann des damaligen Christlichen Arbeiter- und Angestelltenvereines. Am 12. März 1938 wurde er in politische Haft genommen und verbrachte ein Jahr in Untersuchungshaft. Von 1940 bis 1945 diente er als Unteroffizier in der Wehrmacht. Nach 6 Monaten Gefangenschaft kehrte er 1945 heim und übernahm die Bezirksobmannstelle im Österr. Arbeiter- und Angestelltenbund. Vom Dezember 1945 bis 1953 war Leopold Weinmayer Mitglied des Bundesrates, 1949 dessen Vorsitzender, im Februar 1953 wurde er in den Nationalrat gewählt. Als Landesorganisationsleiter des ÖAAB (Jänner 1946 bis Dezember 1947), dann als Landesparteisekretär der ÖVP (Dezember 1947 bis 1965), als Mitbegründer des Vereines der Freunde des Wohnungseigentum, als Beirat des Bundes-, Wohn- und Siedlungsfonds (seit 1953) sowie als Vorsitzender des Aktionskomitees für die Rückgliederung der Randgemeinden und als Mitglied des Klosterneuburger Gemeinderates (seit 1955), entfaltete Leopold Weinmayer eine erfolgreiche politische Tätigkeit, deren Höhepunkt für ihn zweifellos die auf sein Betreiben erfolgte Wiedererrichtung der selbständigen Stadtgemeinde Klosterneuburg war.

"Baumeister" des modernen Klosterneuburgs
Leopold Weinmayer wurde am 9. Juni 1965 zum Bürgermeister unserer Stadt gewählt. Er war der Initiator einer intensiven Bautätigkeit, die nach der „Heimkehr” Klosterneuburgs ins angestammte Bundesland Niederösterreich einsetzte. Weinmayer stand immer als tatkräftiger Förderer hinter allen kommunalen Aufbauleistungen, wobei ihm seine einflußreiche landespolitische Position sowie seine enge Freundschaft zu Leopold FigI und Julius Raab sehr half. Weit mehr als 1.000 Wohnungen konnten jungen Klosterneuburger Ehepaaren und Wohnungssuchenden dank seiner Initiative übergeben werden. Sein großer Herzenswunsch war es auch, ein Pflegeheim für die alten und bedürftigen Menschen unserer Stadt zu schaffen, damit sie in ihrer Heimatstadt einen geruhsamen Lebensabend verbringen können. Dieses (Agnes)Heim wurde nach seinem Tod errichtet. Weitere beachtliche Initiativen von Leopold Weinmayer waren: Bau der Babenbergerhalle, Einführung der Wohnungsbeschaffungsdarlehen, Ausbau der Wasserleitung sowie des Lichtnetzes, Straßen- und Brückenbau, eine zukunftweisende Raumplanung und Flächenwidmung. Die wohl auch in ihrer historischen Dimension größte Leistung Leopold Weinmayers war die Schaffung eines Groß-Klosterneuburgs durch die Eingemeindung von den sechs ehemals (bis 1938) selbständigen Gemeinden wie Weidlingbach, Weidling, Gugging, Kierling, Höflein und Kritzendorf. Dadurch schuf Leopold Weinmayer insofern die Voraussetzung für eine sehr erfolgreiche Entwicklung unserer Stadt, als der Großgemeinde Klosterneuburg auf der Basis des sogenannten „7er Zuteilungsschlüssels” wesentlich mehr Gelder aus dem Bundesfinanzausgleich überwiesen wurden, als es bei sechs kleineren Ortsgemeinden und einer Stadtgemeinde und weniger als 20.000 Einwohnern der Fall gewesen wäre.

Ein "Herr" in der Politik
Leopold Weinmayer war im wahrsten Sinne des Wortes ein „Herr” in der Politik. Ihn zeichnete große Durchschlagskraft, Geradlinigkeit, Mut und viel Weitblick aus. Bei all der Autorität, die er ausstrahlte, begegnete er den Menschen stets auch mit viel Hilfsbereitschaft und Güte. Großen Wert legte er auch auf die Pflege von Kameradschaft und Treue. Jenen, die ihn 1938 aus politischen Gründen inhaftierten, verzieh er nach 1945 nicht nur, sondern half ihnen sogar beim Wiederaufbau ihrer Existenzen. Er war eine charismatische Politikerpersönlichkeit mit einer sehr prägenden Vorbildwirkung auf die ihm nachfolgende Politikergeneration. Leopold Weinmayer und insbesondere seine Verdienste um unser Land und unsere Stadt werden in den Geschichtsbüchern unserer Heimat stets sehr bedeutende Kapitel sein, auf die speziell wir Klosterneuburger stolz sein dürfen.

Text Amtsblatt 8/1996, Ergänzungen Stadtarchiv 2016

Parte
Parte

Den Nachruf im Amtsblatt der Stadt Klosterneuburg lesen Sie hier






Quellen:
1954 - 1979 STADTGEMEINDE KLOSTERNEUBURG, 25 JAHRE WIEDER SELBSTSTÄNDIG
Foto: Stadtarchiv Klosterneuburg, Fotosammlung
Gestaltung: Dipl.-Ing. Heinz Köfinger