Bedeutende Klosterneuburger


Dr. Arthur Weiss
Primar und Erneuerer des Krankenhauses


Ganzfoto

Dr. Arthur Weiss


Arthur Weiss kam am 1.März 1875 als erstes von drei Kindern zur Welt(Reihenfolge: Arthur, Clementine, Malvine). Die Eltern Jakob und Regine betrieben einen Weinhandel in der Hölzlgasse (damals Feldgasse) in Klosterneuburg, Untere Stadt. Der junge Arthur besuchte das Gymnasium mit gutem Erfolg und begeisterte sich vor allem für die Technik und ihre Errungenschaften. Seine bevorzugte Jugendlektüre war "Das Buch der Erfindungen", ein popularwissenschaftliches Werk über sämtliche technischen Gebiete der damaligen Zeit. Doch trotz seines großen Interesses für die Technik begann er nach äusserst erfolgreich abgelegter Matura gemäß dem Wunsch seines Vaters das Medizinstudium an der Wiener Universität. Er studierte eifrig und absolvierte alle Praktika und Prüfungen seiner Studienrichtung mit großem Erfolg. Sein verehrtes Vorbild auf dem Gebiet der klinischen Medizin war und blieb auch später der bekannte Internist Prof. Hermann Nothnagel. Dieser großartige Mediziner vermittelte dem jungen Studenten nicht nur die Grundlagen von Diagnose und Therapie sondern auch eine zutiefst humanitäre Berufsethik, die Arthur Weiss sein Leben lang nicht mehr verließ. In einer Antrittsvorlesung hatte Nothnagel einmal gesagt: "Nur ein guter Mensch kann ein guter Arzt sein" und genau das war das Motto, unter dem Weiss später seinen Beruf verstand. Nach seiner Promotion im Jahr 1899 verbrachte er seine Assistenzjahre an der Frauenklinik Dr. Friedrich Schautas. Danach begann er seine Tätigkeit als praktischer Arzt in Klosterneuburg. Sein äusserst hoher humanitärer Anspruch zusammen mit seiner exzellenten fachlichen Fähigkeiten führten ziemlich rasch zur Bildung einer sehr umfangreichen Klientel, und schließlich konnte er sich in der Rumplerstraße (der damaligen Weinberggasse) ein eigenes geräumiges Haus schaffen, das sowohl ein wohnliches Heim als auch eine Ordination mit Operationsraum beinhaltete. Die nach modernsten Gesichtspunkten eingerichtete und mit den aktuellsten Geräten versehene Ärztepraxis befand sich oberfächlich betrachtet im eklatanten Gegensatz zu seiner privat äusserst schlichten Lebensweise.


Hausfront

Hausfront, Rumplerstraße 4


Hausfront

Symbole: Äskulapstab und Lyra

Am 7. Oktober 1907 heiratete Arthur Weiss die damals allgemein bekannte Konzertpianistin Dora Popper, die ziemlich bald neben ihrer musischen Tätikeit auch noch als Ordinationshilfe tatkräftig mitarbeitete. Eine symbolische Darstellung an der Front des Hauses Rumplerstraße 4 am oberen Ende des Erkers weist auf den harmonischen Zusammenklang des Paares hin. Sie zeigt eine Äskulapnatter am Stab für den Arztberuf und einer Lyra für die musikalische Begabung der Ehefrau. Diese Zeit intensiven Schaffens bildete jedoch noch lange nicht den Höhepunkt seines Wirkens. Nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 wurde auch Dr. Arthur Weiss zu Kriegsdienstleistungen herangezogen. Es stellte sich bald heraus, dass weder das Fassungsvermögen noch die Einrichtungen des lokalen Krankernhauses ausreichten, um die Vielzahl der Kranken und Verwundeten zu versorgen. So wurde die Bürgerschule in der Hermannstraße kurzerhand in ein Lazarett mit chirurgischer Station umfunktioniert. Hier versah Dr. Weiss seinen Dienst in erster Linie als Chirurg, was ihm positiv betrachtet wertvolle Erfahrungen für seine weitere Laufbahn brachte. Diese Notsituation offenbarte ihm auch gleichzeitig die Mängel an Personal und Einichtungen des örtlichen Krankenwesens.

Bald nach Ende des Krieges initiierte Dr. Weiss eine umfassende Reform des städtischen Krankenhauses und brachte nach seiner Berufung zum Direktor der Anstalt 1919 einen Modernisierungsprozess in Gang. Die chirurgischen Einrichtungen aus der Hermannschule wurden zur Gänze übersiedelt und zum erstenmal wurde ein Operationssaal eingerichtet. Auch ein Röntgenzimmer wurde installiert, das allein durch Benfizkonzerte seiner Frau Dora finanziert worden war. In seiner enormen Vielseitigkeit konnte Primarius Dr. Weiss nicht nur das Krankenhaus leiten, sondern arbeitete gleichzeitig auch als Chirurg, Internist und Gynäkologe. Doch die permanente Zunahme ärztlicher Aufgaben und die sich ständig vergrößernde Patientenanzahl erforderten letzlich die Einrichtung eines zweiten Primariats. Dr. Wilhelm Steiger übernahm die Leitung der chirurgischen Abteilung. Weitere Neuerungen wie ein 5-stöckiger Zubau im Jahr 1928, mehrere medizinische Abteilungen (z.B. Gynäkologie, Lungenheilstätte), eine Dampfdesinfektionsanlage, neue Personalunterkünfte, eine moderne Krankenhausküche, sowie Kapelle und Prosektur folgten im weiteren Verlauf des Ausbaus.

So positiv und selbstlos sich Dr. Weiss für das Wohl seiner Heimatgemeinde eingesetzt hatte, so negativ verlief schließlich sein persönliches Leben. Am 17. September 1937 verstarb seine von ihm so geliebte Frau Dora nach 30 glücklichen Ehejahren. Ein Jahr später, nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, wurde er seines Amtes als Krankenhausdirektor enthoben (Zwangspensionierung)und mußte die Stätte seines jahrelangen Wirkens verlassen, kurz danach mußte er auch seine Ordination schließen. Seinem humanitären Einsatz tat dies jedoch keinen Abbruch. Er gab delogierten jüdischen Familien Quartier und führte die Arbeit für die Beerdigungsbrüderschaft Chewra Kadischa in Klosterneuburg ohne Unterbrechung fort. 1942 wurde er jedoch gemeinsam mit seiner 10-Jahre jüngeren Schwester Malwina in den zweiten Wiener Gemeindebezirk gebracht und kaserniert. Er nahm dort sofort wieder seine ärztliche Tätigkeit, diesmal im jüdischen Spital, auf. Doch auch so entging er nicht dem brutalen Schicksal der Deportation. 1943 wurden er und seine Schwester ins KZ Theresienstadt verschleppt. Während seine Schwester 1944 nach Auschwitz gebracht wurde und dort starb, überlebte der inzwischen gealterte Arthur Weiss diese schwere Zeit und kehrte als einer von Wenigen 1945 nach Klosterneuburg zurück. Physisch gezeichnet und in tiefster Seele verwundet, aber dennoch nicht verbittert, beschäftigte er sich hier mit physikalischen Studien und pflegte mit Hingabe seinen ziemlich dezimierten Freundeskreis.

Am 4. September 1948 verstarb Dr. Arthur Weiss und wurde nach mosaischen Ritus nur wenige Tage nach seinem Tod neben seiner Frau Dora am jüdischen Friedhof in Klosterneuburg beigesetzt.

Eine Gedenktafel im Klosterneuburger Krankenhaus und eine Gasse mit seinem Namen erinnern an diesen außergewöhnlichen Mann. Dr. Josef Schömer sagte in seinem Nachruf:

"Einen Mann von solcher Art, adelig in seiner Gesinnung, sozial bis in die Wurzeln seines Wesens, wird die Stadt nicht wieder sehen. Möge die Erinnerung an den großen Arzt und Menschen in unseren Herzen nie erlöschen."

Dem kann nichts mehr hinzugefügt werden.


Gedenktafel
Gedenktafel im Spital
Grab
Grab im israelitischen Friedhof, Holzgasse
Weissgasse
Zwischen Kautekgasse und Hofstattgasse


Den Bericht "Ein Mann mit Eigenschaften" von Gerta Hartl finden sie hier

Aus der NÖN Woche 21/2008



Quellen:
Mag. Wolfgang Bäck: Dr. Arthur Weiss - Ein Leben für die Medizin, in "Die Friedhöfe Klosterneuburgs", Klosterneuburger Kulturgesellschaft
Amtsblatt der Stadtgemeine Klosterneuburg 8/2008, Dr. Weiß - 60. Todestag, Stadtarchiv Klosterneuburg
NÖN Woche 21/2008
http://www.juedischerfriedhof.at
Fotos:
Haus, Gedenktafel und Weiss-Gasse, Heinz Köfinger

Gestaltung: Dipl.-Ing. Heinz Köfinger