Die Entwicklung des Gymnasiums im Spiegel der Zeit

Aufzeichnung eines Vortrags von Mag. Dr. Christine Zippel

Vorwort: Zu Beginn möchte ich eine grundlegende Korrektur vorausschicken. Der ursprüngliche Titel des folgenden Vortrags sollte bedeutende Absolventen des Gymnasiums aufzählen. Der wäre aber eine umfangreiche Aufzählung von Namen geworden, was nach ein paar Minuten Langeweile zur Folge gehabt hätte, außerdem wären mir sicher einige entfallen.


Entstehung des Gymnasiums
Seit dem Jahr 1880 wollte man auch in Klostemeuburg ein Gymnasium gründen, denn in Krems gab es auf der Grundlage einer Lateinschule ein Gymnasium und ab 1865 auch noch eine Realschule. Stockerau hatte ein Real- und Obergymnasium seit 1864,
Hollabrunn ein Gymnasium seit 1865,
Kalksburg hatte ebenfalls ein Gymnasium seit 1891,
Mödling ein Real- und Obergymnasium seit 1897,
Baden und Wiener Neustadt und St. Pölten hatten sowohl Gymnasium als auch Realschule seit 1863.

Angeregt durch die Vorbilder und auch den Bedarf durch genügend Kinder in Klostemeuburg, wurde der zuvor diskutierte Plan erstmalig 1894 in Angriff genommen, doch bald darauf wieder fallengelassen. 1899 wurde dann der Verein zur "Errichtung eines Gymnasiums in Klosterneuburg" ins Leben gerufen. Der Verein wandte sich an den Niederösterreichischen Landtag und erreichte den Beschluss, ein Gymnasium ab dem Schuljahr 1902 zu errichten und auch zu finanzieren. Als Bauplatz boten sich die "Lenz'schen Gründe" in der Buchberggasse an, und da durch den Landtag die Finanzierung gesichert war, konnte die Firma Schömer das neue Gymnasium errichten.

Die Unterrichtsräume waren so konzipiert, dass sie für 30 bis 40 Schüler ausreichend waren. Mit einer anfänglich doppelt so hohen Schülerzahl wie in der improvisierten Schule vorher konnte man damit rechnen, dass der Platz für die nächsten Jahrzehnte ausreichen würde.


In der Zwischenzeit wurde das Marno-Haus in der Hundskehle als Schulgebäude verwendet. 68 Schüler waren in zwei Klassen aufgeteilt. Das Haus stand im Bereich des heutigen Türkenbrunnen und dem angrenzenden kleinen Park.

Am 10. Oktober 1903 wurde das neue Gymnasium eingeweiht, die Kosten beliefen sich auf 300.000 K und der erste Direktor der Schule, Hofrat Stephan Blumauer, leitete das Gymnasium bis 1919.

12 Klassen waren in dem Gebäude in der Buchberggasse 31 vorhanden, ausschließlich für Schüler vorgesehen, denn Mädchen wurden nicht zugelassen.

Die Unterrichtsräume waren so konzipiert, dass sie für 30 bis 40 Schüler ausreichend waren. Mit einer anfänglich doppelt so hohen Schülerzahl wie in der improvisierten Schule vorher konnte man damit rechnen, dass der Platz für die nächsten Jahrzehnte ausreichen würde.

Plan 2.Stock

Mit großem Stolz blickten die Mitglieder des Vereins auf das erreichte Ziel.

Ab 1905 baute Blumauer das Realgymnasium zu zwei Zweigen aus: 1. Humanistisches Obergymnasium - mit Französisch in der dritten und vierten Klasse 2. Oberrealschule. Der Vierklassen-Lehrplan der Unterstufe war für beide gleich (siehe unten)

Fächer Wochenstunden: Klassen 1 bis 4
Religionslehre 2 2 2 2
Latein 8 8 6 6
Griechisch oder Französisch - - 5 4
Deutsch 4 4 3 3
Geographie und Geschichte 3 4 3 4
Mathematik 3 3 3 3
Naturgeschichte 3 3 - -
Physik - - 3 3
Freihandzeichnen 4 4 4 4

Latein war das wichtigste Fach, gefolgt von Freihandzeichnen, Deutsch, Mathematik, Geografie und Geschichte, Griechisch oder Französisch. Naturgeschichte und Physik wurde in weniger Stunden vermittelt, Englisch fehlte ganz.

Mit dem Gymnasium steht die erste, bekannte Persönlichkeit, Ludwig Karl Strauch, in unmittelbarer Verbindung. Er war Künstler und empfand eine tiefe Zuneigung zu Camilla von Savageri. Die Eltern von Camilla waren aber gegen die Verbindung der beiden, denn ihre Tochter sollte einen Mann mit einem ehrbaren Beruf heiraten und nicht einen freischaffenden Künstler mit ungesichertem Einkommen. Aus Liebe zu Camilla entschied sich Strauch, der eigentlich immer nur Maler sein wollte, zum Lehrberuf. Er machte das Lehramt für Bildnerische Erziehung und Mathematik. Nach Abschluss des Studiums begann 1905 der 30-Jährige im Gymnasium in Klosterneuburg als Lehrer in Freihandzeichnen seine Tätigkeit und durfte im gleichen Jahr seine Camilla heiraten.

Seine Unterrichtsmethoden im Zeichenunterricht beschränkten sich nicht auf die Korrektheit der Ausführung und auf das Kopieren vorhandener Unterlagen, sondern gingen den Weg, den Franz Cizek seit 1897 in dem Jugendkurs der Kunstgewerbeschule (heutige Universität für angewandte Kunst) eröffnete. Dabei sollten die jungen Künstler ungezwungen malen oder zeichnen, sozusagen eine heute bezeichnete Kunstform der Art Brut. Dadurch wurde Strauch ein Wegbereiter für neue Unterrichtsmethoden im Zeichenunterricht.

Als Strauch 1935 nach 30 Dienstjahren in den Ruhestand trat, war eine ganze Reihe namhafter Künstler, wie etwa Walter Gamerith, Leo Hauska, Theo Henning, Ernst Michael Wagner, vor allem aber der junge Egon Schiele durch seine Schule gegangen

Sidestep:
Egon Schiele wurde 1890 in Tulln geboren und besuchte nach der Volksschule in Tulln das Realgymnasium in Krems. Seine schlechten schulischen Leistungen veranlassten den schwer kranken Vater, ihn ab 1902 in das Real- und Obergymnasium in Klosterneuburg zu schicken, doch wurde der Lernerfolg durch diesen Wechsel nicht besser. Schiele störte den Unterricht durch Zeichen. Durch den schlechter werdenden Gesundheitszustand zog die Familie nach Klosterneuburg. Der Vater starb am Neujahrstag 1905. Im selben Jahr bekam Schiele einen neuen Zeichenlehrer: Ludwig Karl Strauch. Dieser erkannte das Talent des Jungen und unterrichtete ihn auch in seiner Freizeit. Auch das Atelier Strauchs stand für Schiele offen. Mit dem Chorherm Dr. Wolfgang Pauker bemühte sich Strauch, dass der junge Schiele die Akademie der bildenden Künste besuchen konnte. Die Aufnahmeprüfung schaffte der mittlerweile 16-jährige mit Bravour und begann sein Studium beim erzkonservativen Historienmaler Griepenkerl, der einst auch Strauch unterrichtete. Schiele bewunderte Gustav Klimt, was zu Spannungen mit seinem Lehrer Griepenkerl führte, worauf Schiele die Akademie verließ.


1908 nahm Schiele, der weiterhin Kontakt zu seinem Lehrer Strauch unterhielt, an der "1. Kunstausstellung der Heimischen Künstler Klosterneuburgs" teil. Eine spätere Reflexion seitens Schiele erinnerte an seinen ehemaligen Lehrer: "Meine ersten Nothelfer - leider waren es nicht ihrer vierzehn und auch keine Heiligen, aber doch gute Menschen - waren die Klosterneuburger Maler Kahrer, Horst, Strauch und Professor Böhm".

Zeitungsmeldungen:
Am 9. Juni 1906 berichtete die Neue Klosterneuburger Zeitung über ein Naturereignis. Bei einem Gewitter schlug ein Blitz in den Blitzableiter des Real- und Obergymnasiums derart stark ein, dass ein Teil des Blitzes auf die elektrische Leitung abgeleitet wurde und 18 Bleisicherungen schmolzen. Im Physiksaal fiel dem Professor ein Gefäß mit Salzsäure aus der Hand und zerfraß die Schuhe und die Hose und der Schuldiener wollte gerade das Fenster schließen, als er durch den Luftdruck einen Schlag, der zur kurzen Bewusstlosigkeit führte, bekam.

Auch 1909 berichtete die Presse wieder vom Landes-Real und Obergymnasium. Am 1. Mai, während der 10 Uhr-Pause ging ein Schüler auf einen anderen zu, zog eine Flaubert-Pistole aus der Tasche und hielt sie dem Mitschüler mit den Worten "Jetzt erschieße ich dich" an die Brust. Zum Entsetzen aller löste sich tatsächlich ein Schuss und der Getroffene brach zusammen. Ein sofort herbeigeholter Arzt stellte fest, dass die sechs Millimeter-Kugel knapp vor dem Herz steckenblieb. Der Angeschossene wurde ins Spital gebracht und befindet sich außer Lebensgefahr. In der Schule herrscht absolutes Waffenverbot und der Fall wird ein gerichtliches Nachspiel haben. "Die bedauernswerte Tatsache hat jedenfalls ihren tieferen Grund in der verwildernden Wirkung, die die Lektüre der gewissen Sherlock Holmes-Romane, Detektiv- und Räubergeschichten auf die Jugend übt. Diese Verführung tritt ja überall an sie heran."


In diesem Jahr fand - wie jedes Jahr - die Aufnahme der neuen Schüler statt. Es musste eine Aufnahmeprüfung in Religion, Deutscher Sprache mit Lesen, Schreiben und Grammatik und Rechnen mit vier Grundrechnungsarten durchgeführt werden. Eine Wiederholung bei negativer Beurteilung war weder im Gymnasium noch in einer anderen Schule gestattet.

1912 zählte man 351 Schüler - eine Bestätigung, wie wichtig der Bau des Gymnasiums war. Noch herrschte Frieden in der Monarchie Österreich­ Ungarn, doch die nationalen Spannungen waren bereits zu spüren.

Bis zum Schuljahr 1914/15 stieg die Zahl der Schüler auf 373, die in zwölf Klassen unterrichtet wurden, also durchschnittlich 41 Schüler pro Klasse.

Während des Ersten Weltkriegs wurden 350 verwundete Soldaten in den Räumen des Gymnasiums untergebracht. Dies hatte zur Folge, dass in 8 Klassen die Verwundeten lagen und die Schüler bei Stundenreduktionen in den verbleibenden Räumen unterrichtet wurden. Viele Lehrer und ältere Schüler wurden zu den Kriegshandlungen eingezogen, deshalb sanken sowohl die Lehrer- als auch die Schüleranzahl.

Ab der Hälfte der Kriegsdauer waren Mängel in der Ernährung, Bekleidung und Beheizung, nicht nur an den Fronten, sondern auch im Hinterland stark zu spüren. Aber nicht nur an den Grundnahrungsmitteln fehlte es, es fehlten auch die Männer in den Fabriken, in den Büros und in den Werkstätten, denn diese mussten an die Front. Deshalb übernahmen Frauen die Verpflichtungen, erstmals zogen sie Hosen - als Arbeitsbekleidung - an.

Nach dem Krieg war nicht nur eine neue, politische Ausrichtung an die Stelle der Jahrhunderte lang währenden Monarchie getreten, sondern auch die Gesellschaft war verändert. Die Frauen hatten ein neues Selbstverständnis erworben und als am 24. März 1919 das gesamte Gebäude zum Schulbetrieb übergeben wurde, gab es 301 Schüler und 14 Schülerinnen.

Der Nachfolger von Hofrat Blumauer, Hofrat Johann Duchon, leitete von 1919 bis 1935 den Schulbetrieb. Er erzielte wichtige Fortschritte: einerseits wurde der realgymnasiale Zug bis zur achten Klasse weitergeführt, andererseits wurde die erste, aus öffentlichen Mitteln erhaltene Mädchenmittelschule Österreichs ins Leben gerufen.

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu einer ungeheuren Inflation. Der Wert des Geldes veränderte sich beinahe täglich.

Lehrerkollegium

Am 30. Jänner 1928 feierte man das 25-jährige Jubiläum einer völlig wiederhergestellten Schule.



Ein berühmter Schüler war sicherlich bei den Feierlichkeiten: Otto Wilhelm Fischer, der damals 13 Jahre alt war. Die Familie lebte in Klosterneuburg, am Niedermarkt hatte der Vater ein Haus, in dem ein Zuckerbäckerladen war. In seinem Buch "Engelknabe war ich keiner" beschrieb Fischer detailliert seine Matura im Gymnasium, die er 1933 mit Bravour absolvierte. Nur bei Mathematik hatte er Glück.

Anschließend ging er an die Universität, wo er drei Jahre lang Germanistik und Kunstgeschichte studierte, dann aber zum Reinhardtseminar wechselte. Er wurde ein berühmter Schauspieler, ebenso bedeutend wie Curd Jürgens, spielte am Theater und in Filmen. Im Alter lebte er zurückgezogen in Lugano und widmete sich der Wissenschaft. Er schrieb einige Bücher.

Zu seinem 80. Geburtstag lud Bürgermeister Dr. Gottfried Schuh den Künstler nach Klosterneuburg ein, aus gesundheitlichen Gründen konnte dieser nicht der Einladung Folge leisten. 1996 erhielt er das große goldene Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik.

Fischer verstarb am 29.1. 2004 in Lugano.



Zeitungsbericht:
Wieder berichtete die Klostemeuburger Zeitung am 25. September 1929 von einem üblen Streich. An den Eingangstüren waren Tafeln mit dem Hinweis angebracht, dass kein Unterricht stattfinde. Frohgemut gingen die Schüler wieder nach Hause und in den Räumlichkeiten warteten die Lehrer auf sie.


Als O.W. Fischer 16 Jahre alt war, kam ein junger Schüler ins Gymnasium, der später ebenfalls sehr berühmt wurde: Dr. Kurt Waldheim, geb. 21.2.1918 in St. Andrä-Wördern, maturierte 1936 in Klosterneuburg, das anschließende Studium der Rechte schloss er 1944 ab. Er war Diplomat in Paris und Kanada, Botschafter bei den Vereinten Nationen; Generalsekretär der UNO von 1971-81 und dann Bundespräsident von 1986-1992. Er blieb dem Gymnasium immer verbunden, nahm an Maturantentreffen teil und lud Mittelschüler in die Hofburg ein. Er verstarb 2007 in Wien.

In der Zwischenzeit wuchsen die Schülerzahlen und das Gebäude bot nicht mehr genügend Platz, deshalb gründeten Elternschaft und Freunde des Klosterneuburger Gymnasiums 1929 einen Verein, um einen Zubau zu erwirken. Denn mittlerweile gab es fünf Wanderklassen und zwei Mädchenklassen erhielten das Gastrecht in der Hermannschule. Denn in der Zwischenzeit umfasste das Gymnasium drei Mittelschulen: das humanistische Gymnasium, das Realgymnasium und eine selbständige Mädchenmittelschule. Ein Nachbargrundstück konnte erworben werden und Architekt Plischke übernahm die Durchführung des Zubaus.

Auf dem bestehenden Gebäude sollte auch ein 4. Stock errichtet werden, der jedoch unterblieb, da die Stadtgemeinde die erforderlichen öS 150.000,-­ nicht aufbringen konnte.

Der Zubau jedoch gelang und 1932/33 zählte man 708 SchülerInnen, aufgeteilt in 20 Klassen.


Die Schüler des Gymnasiums veranstalteten eine Goethe- und Haydn-Feier mit dem Collegium Musicum. Das Publikum war begeistert.

Während des Ständestaates spürte man die politischen Spannungen auch erstmals im Gymnasium. Bei der Aufnahmeprüfung war die politische Ausrichtung der Familie ausschlaggebend. 1934 gab es - vorzeitig entdeckte - zwei Bombenattentate im Schulhof, 11 illegale nationalsozialistische Schüler wurden vom Gymnasium ausgeschlossen.

Die wirtschaftliche Not machte auch nicht vor dem Gymnasium Halt. Aus Sparmaßnahmen wurden 68 Schüler in einer Klasse zusammengefasst.

Ein Vater beschwerte sich öffentlich, dass durch geringe Kohlezuweisungen die Schüler im Wintermantel in der Klasse sitzen mussten.

1936 wurde Studienrat Ottokar Urbarz zum Direktor bestellt.
Dann kam Dr. Walter Oberleitner.



Die Zeit von 1938 bis 1945
Mit der Übernahme Österreichs ins Deutsche Reich wurde seitens der neuen Machthaber überall eingegriffen.

So ersetzte man Oberleitner durch Dr. Hans Wolf, der sich soweit an das Regime anpasste, um mit keinen Sanktionen für die Schule rechnen zu müssen.

Der Lehrplan änderte sich, Turnen stand an oberster Stelle, Religion an letzter. Das Gymnasium wurde die "Oberschule für Jungen und Mädchen". NS-Ideologie mit Arierbewusstsein und Rassenwahn wurde den SchülerInnen eingebläut, wie es in Diktaturen üblich ist.

Sechs jüdische Schüler mussten das Gymnasium verlassen, Mischlinge 1. und 2. Grades verließen freiwillig die Schule.

Klosterneuburg war der 26. Gemeindebezirk und deshalb unterstand das Gymnasium bis 1954 dem Stadtschulrat von Wien.

Der Zweite Weltkrieg mit letztendlich 50 Millionen Toten forderte immer mehr Opfer. Ab 1943 wurden auch die verheerenden Schäden erkennbar. Es wurde um den Sieg gekämpft, doch je länger der Krieg dauerte, umso deutlicher war die katastrophale Niederlage zu erkennen.


Schüler wurden ab 15,5 Jahren zu Luftwaffenhelfern eingezogen, die Mädchen waren als Erntehelferinnen und zur Kinderbetreuung eingeteilt.



Mädchenklasse 1943

Die letzten, normalen Reifeprüfungen fanden 1943 statt, später wurde die Matura zugesprochen. 1944/45 fand der Unterricht nur sporadisch statt, ab März 1945 fiel er gänzlich aus. Die traurige Bilanz: Von den eingezogenen Schülern waren 122 tot oder vermisst.

Am 10. April 1945 marschierten die Russen in Klosterneuburg ein. Das Gymnasium war zu dieser Zeit verlassen.

Prof. Humbert Marani hatte Kontakte zur russischen Besatzungsmacht und schützte die Schule vor Plünderern. Mit Vollmachten ausgestattet, rief er Lehrer und Schüler herbei, die gemeinsam die notwendigsten Arbeiten durchführten. Sogar eine Schülerausspeisung wurde eingerichtet. Im Mai 1945 wurden Haupt- und Mittelschüler gemeinsam im Gymnasium unterrichtet.

Ab 6. Juni 1945 übernahm Ottokar Urbarz wieder die Leitung der Schule und pensionierte Lehrer unterrichteten im Juli 1945, um Versäumtes nachzuholen. Schüler kehrten vom Kriegsdienst zurück und neue Lehrer konnten - in Absprache mit den Besatzern - das neue Schuljahr 1945/46 beginnen. Allerdings mangelte es an Bleistiften, Papier und vor allem an Heizmaterial, denn der Winter war sehr streng.

1946 war der schulische Alltag wiederhergestellt, Reifeprüfungen wurden abgehalten, die Bezeichnung "Mittelschule", die wieder Religion als Hauptfach führte und Turnen auf ein Nebenfach drückte, hielt wieder Einzug. Um auf eine positive Vergangenheit zurückblicken zu können, feierte man in diesem Jahr "970 Jahre Babenberger".

1950 besuchte der Kardinal-Erzbischof Dr. Theodor Innitzer das Gymnasium.

1953 feierte man den 50-jährigen Bestand des Gymnasiums. Zwischen 1909 und 1952 haben 1006 Schüler und 493 Schülerinnen die Reifeprüfung abgelegt. Von diesen haben 204 Kandidaten und 125 Kandidatinnen die Reifeprüfung mit Auszeichnung bestanden. Die schrecklichen Jahre lagen in der Vergangenheit, man blickte nur nach vorn. Wiederaufbau und Konjunktur standen im Vordergrund. Radio, Plattenspieler und Kühlschrank waren die erstrebenswerten Konsumgüter in dieser Zeit. Ottokar Urbarz wechselte in den Ruhestand.

Nach ihm kam Direktor Dr. Walter Oberleitner, der nach Laa/Thaya versetzt worden war und nun nach Klosterneuburg zurückkehrte. Er war selbst Schüler im Gymnasium von 1917 bis 1925 gewesen. Im gleichen Jahr kam das Gymnasium zum Landesschulrat für NÖ - die alte Ordnung war somit wiederhergestellt.

Mit dem Abzug der Alliierten am 15. Mai 1955 war "Österreich wieder frei". In diesem Jahr fand auch das traditionelle Gimpelfest erstmals statt, das Maturanten und Schüler organisierten. Im Saal des Gasthauses Schindler in der Albrechtstraße begann der Ball. Bald musste man in den größeren Strauß­ Saal in Weidling übersiedeln. Ab 1961 diente der Stiftskeller als Ballsaal, nun ist es die Babenbergerhalle.

Auch blickte man über den Tellerrand, indem sich das Gymnasium an einem Redewettbewerb der Vereinten Nationen 1961 beteiligte. Rudolf Lhotka junior gewann den Bewerb.

1962 wurde ein Schulorganisationsgesetz mit den Schulformen für die Allgemein bildende Höhere Schule festgelegt. Die AHS unterteilte sich im Gymnasium mit den Schwerpunkten humanistisch, neusprachlich und realistisch, und in das Realgymnasium mit den Schwerpunkten naturwissenschaftlich und mathematisch. Dazu gab es noch ein wirtschaftskundliches Realgymnasium für Mädchen. Auch für die gesellschaftliche Allgemeinbildung wurden Burgtheater- und Opernbesuche ermöglicht.

Die Wirtschaft boomte, die Ziele des Konsums waren zu dieser Zeit ein Fernseher und ein Auto, aber auch eine gute Bildung für die Kinder, damit sie einmal ein besseres Leben haben werden, deshalb drängte die Jugend ins Gymnasium.

Direktor Oberleitner leitete bis 1971 das Gymnasium, ihm folgte als supplierender Leiter OStR Emil Jester, der das Projekt des Ausbaus von vier Klassenzimmern in Angriff nahm.

Ihm folgte Dir. Mag. Engelbert Rubey von 1972 bis 1981. Die Schülerzahl stieg im Schuljahr 1972/73 auf 762, aufgeteilt in 24 Klassen.

Die Raumnot war nicht behoben und man musste zur Hermannschule und in das Amtshaus in der Rumplerstraße mit einigen Klassen ausweichen.

Um Kindern aus ärmeren Bevölkerungsschichten kommend, den Besuch des Gymnasiums zu ermöglichen, gab es ab 1971 Schülerfreifahrten und 1972 die Verteilung von Gratisschulbüchern, eine nicht unumstrittene Maßnahme.

Ein demokratischer Akt war die Installierung des Schulgemeinschaftsausschusses 1974, wo Lehrer, Eltern und Schüler Gemeinsames besprechen können.


1976 lief das Großereignis "1000 Jahre Babenberger" im Gymnasium.

1977 komponierte der Musikprofessor Walter Vogl anlässlich eines Festaktes für Hofrat Oberleitner die Kantate "Das ist der Fisch", zum großen Vergnügen des Jubilars. Vogl komponierte und organisierte auch die Uraufführung von "Orpheus und Eurydickerl", das wieder ein großer Erfolg war.

1978 folgte die 75-Jahrfeier des Gymnasiums, dazu wurde das dreistöckige Hauptgebäude saniert, trotzdem wurde wieder auf die Raumnot hingewiesen. Zu der Feier trat die Schauspielgruppe "Urania" in Aktion, gestaltet von Lehrern und Schülern.

Dr. Rudolf Koch bot ab der 3. Klasse in den Sommerferien Sprachkurse in den USA und Großbritannien an. In einer Privatschule wurde unterrichtet und die Schüler waren in Gastfamilien untergebracht.

Elternvereinigungen plädierten für einen Zubau und auch NR Dr. Josef Höchtl intervenierte beim Unterrichtsminister Sinowatz und Bautenminister Moser. Mag. Helmut Berger übernahm die Agenden des Rektors des Gymnasiums ab 1981. Zu dieser Zeit gab es bereits 930 Schüler und 30 Klassen. Zwei Klassen waren in Maria Gugging untergebracht, 23 Klassen hatten ein Klassenzimmer im Altbau und fünf Klassen waren als Wanderklassen unterwegs. Deshalb wurden weitere Grundstücke angekauft und man begann mit der Planung eines neuen Schultrakts.

Architekt DI Neubauer wurde damit betraut und als Bautenminister Sekanina 1982 grünes Licht für den Ausbau gab, wurde mit der Ausführung die Fa. Hofmann und Maculan damit beauftragt, die sofort mit der Herstellung des Baus begann.


Die Fertigstellung erfolgte 1986, anschließend begann man mit der Sanierung des Altbaus - zuallererst wurde die Freitreppe in der Buchberggasse entfernt. Bis 1988 war der Altbau fertig renoviert und am 25. November 1988 sollte die Präsentation der neuen Anlage mit einer Feier stattfinden, doch der Direktor des Gymnasiums konnte den Tag nicht erleben, er starb überraschend am 19. November 1988 an einem Herzinfarkt. Die Sportanlagen wurden danach bis 1989 fertiggestellt.

Als Interimsleiter wurde Mag. Erhard Lorenz eingesetzt. Danach kam Direktorin Mag. Erika Müller von 1989 bis 2002. Sie bemühte sich einerseits um bundesweite Lehrerfortbildung, andererseits um Schulpartner- schaften.


1988 kam Dr. Kurt Waldheim ins Gymnasium, um die Okkupation Österreichs vor 50 Jahren ins Gedächtnis zu rufen. 1990 übernahm er die Enthüllung der Gedenktafel für den Widerstandskämpfer Roman Karl Scholz, der Schüler des Gymnasiums war, 1940 verhaftet und 1944 hingerichtet wurde. Solche Handlungen sind für das zeitgeschichtliche Wissen der Jugend wichtig.

Ab den 90er Jahren wurde der Gebrauch des Computers in den verschiedensten Fachbereichen immer unentbehrlicher, auch im Gymnasium mussten entsprechende Einrichtungen installiert werden. Dabei soll auch der Elternverein nicht unerwähnt sein, denn durch die ehrenamtliche Mitarbeit bei den seit 1993 gegründeten Schulfesten konnten immer wieder Verbesserungen und Zusatzkäufe für die Bibliothek bewerkstelligt werden. Es wurde eine Mediathek gegründet, ein elektronisches Netzwerk zur Erfassung der Bücher und ganz allgemein ist das schulische Angebot ungemein vielfältig geworden.

Prof. Walter Vogl komponierte 1991 "A Sharpers Trick", das Stück kam zur Aufführung. 1994 bot man eine ganztägige Schulform an, Nachmittagsbetreuung wurde auf Wunsch durchgeführt.

1997 konnte man ab der 3. Klasse Französisch statt Latein wählen, zusätzlich gibt es Angebote in Tanz und Gymnastik, alternatives Lernen, Schach, Rudern, Laufen, Schwimmen und Basketball. Fremdsprachenwettbewerbe spornen an und Zeichenwettbewerbe steigern die Kreativität. Schüleraustausch wird ebenfalls angeboten.

2002 feierte man "100 Jahre Gymnasium" in der Babenbergerhalle. Ministerin Gehrer war ebenfalls anwesend und versprach einen Zubau, denn im Schuljahr 2001/02 verzeichnete man 996 Schülerlnnen in 38 Klassen.









Nach Hofrätin Müller kam als nächster Direktor Hofrat Dr. Rudolf Koch.

EMPFEHLUNG:
* Sehen Sie auch in unserer Bildergalerie die Fotos über eine Gymnasiumsbesichtigung mit Direktor Dr. Koch und anschließenden Vortrag von Mag. Dr. Christine Zippel.

Quellen:
Unterlagen von Dr. Anneliese Rektenwald und dem
Archiv der Stadt Klosterneuburg
Powerpointpräsentation und
Vortragsunterlagen von Frau Mag. Dr. Christine Zippel
Gestaltung: Dipl.-Ing. Heinz Köfinger