Bedeutende Klosterneuburger

Prof. Dr. Theodor Meynert
Psychiater und Neuroanatom


Elternhaus und Beruf

Portrait

Prof. Dr. Theodor Meynert


Leopoldstr 62

Meynert-Haus, Klosterneuburg, Leopoldstraße 62


Theodor Hermann Meynert wurde am 15. Juni 1833 in Dresden, Deutschland geboren. Der Vater Hermann Günther Meynert war Schriftsteller, Theaterkritiker und Historiker, die Mutter Marie geborene Emmering war vor ihrere Heirat Sängerin an der Dresdner Oper. 1836 übersiedelte die Familie nach Wien, wo der Vater als Publizist für die "Wiener Allgemeine Theaterzeitung" und in der Redaktion des "Österreichischen Soldatenfreunds" tätig war.

Der junge Theodor besuchte das Wiener Piaristengymnasium und begann danach das Medizinstudium an der Universität Wien, wo er schließlich 1861 promovierte. Der berühmte Pathologe Carl Freiherr von Rokitansky erkannte die Begabung Meynerts, förderte den jungen Studenten und habilitierte ihn dann 1865 für das Lehrfach "Bau und Funktion des Gehirns und Rückenmarks". Mit seiner Habilitation übernahm Meynert auch die Position eines Sekundararztes und Prosektors an der Niederösterreichischen Landesirrenanstalt (Wien gehörte damals noch zu Niederösterreich) und trug fortan auch den Titel Hofrat. Im Jahr 1868 wurde die Lehrberechtigung auch auf Psychiatrie erweitert, 1870 wurde er Direktor und ausserordentlicher Professor der Wiener Psychiatrischen Klinik, die extra für ihn geschaffen worden war und 1873 schließlich ordentlicher Professor der Psychiatrie an der Universität Wien. Es dauerte jedoch noch zwölf Jahre bis sein Wunsch nach einer fachlich ergänzenden Abteilung für Nervenkranke an seiner Klinik erfüllt wurde.

Unter Meynert wurde die Wiener Schule zu einem ernstzunehmenden konkurrierenden Faktor im europäischen Vergleich (wie etwa Salpêtrière in Paris oder Queen's Square in London). So gut Meynerts Ruf als Forscher war, so umstritten war seine Begabung als Lehrer. Sei's wie es sei: Meynert galt neben Paul Flechsig in Leipzig als der führende europäische Neuroanatom. Sigmund Freud, Auguste Forel und Carl Wernicke studierten bei oder arbeiteten unter ihm.


Privatleben

Hausfront

Johanna Fleischer


Leopoldstr 34

Haus Leopoldstraße 34


Meynerts Bezug zu Klosterneuburg ergab sich vor allem aus seiner Beziehung zu Johanna Fleischer, einer Klosterneuburgerin, die er noch während seines Studiums kennen und lieben lernte. Von ihr wird berichtet, sie hätte den anfänglichen Bummel-Studenten auf den richtigen Weg zu einem erfolgreichen Studium gebracht. Johanna war das zweite Kind des stiftlichen Grundbuchführers Johann Fleischers und dessen Frau Karoline geb. Preisecker (mit bayrischen Ursprüngen). Die Familie bewohnte "das kleine ebenerdige Haus Leopoldstraße 34 gegenüber der Kaserne" wie die älteste Tochter, Dora Stockert-Meynert in der Biographie ihres Vaters schreibt. Der Ehe zwischen Johanna Fleischer und Theodor Meynert entstammten 3 Kinder: Karl (geb. 28. 1. 1868), Theodora Maria Johanna (geb. 5. 5. 1870) und Johanna, die Jüngste (geb. 7. 4. 1871).


Trotz ihrer labilen gesundheitlichen Konstitution widmete sich
Kinder

Karl, Theodora und Johanna

Natalia

Natalia Freiin v. Grimschitz

Meynerts Gattin Johanna (er nannte sie liebevoll "Jeanette") in den 70er-Jahren einem umfangreichen sozialen Engagement. Sie trat unter anderem für die Rettung des Maria Theresien-Hospitals, für die Gründung des Hausfrauenvereins für verarmte Frauen, für die Schaffung einer Dienstmädchenschule, sowie eines Arbeitslosen-Asyls ein. Ziemlich früh, am 19. 1. 1879 verstarb sie an einem Lungenleiden. Diesen schmerzlichen Verlust hat Meynert sein ganzes weiteres Leben nie wirklich überwinden können. Doch schon 5 Jahre später erfolgte für den Schwergeprüften der nächste leidvolle Schicksalschlag. Am 15. 7. 1884 starb sein Sohn Karl in Kierling ebenfalls an einer Lungenkrankheit. Meynert hatte wahrscheinlich in Kierling eine Sommerwohnung, während sich der Familienwohnsitz im Haus Leopoldstrasse 62 befand. In einem Brief an Maria Grün schrieb Meynert nach dem Tod seines Sohnes "Kierling ist nun wirklich kein Aufenthalt, der mir wohltut. Karls Leiden ist in meinen Gedanken noch nicht vorbei und jener stumme Platz spricht mit unerstickbarer Stimme davon. Doch muß ich noch vierzehn Tage aushalten. Dann will ich auf ebensolange nach Norden und meinen Kindern Dresden zeigen..."



Klosterfrau

Klosterfrau
Natalia Maria Grimschitz


Am 25. Juli 1882 hatte Meynert seine zweite Ehe in Laibach (Ljubljana, Slowenien) mit Natalia Magdalena Freiin von Grimschitz , Witwe nach Schulz von Straßnitzki, geschlossen. Ihre Familie stammte aus sehr altem österreichischen Adel und Natalia war eigentlich Venezianerin. Sie hatte sich aufopfernd für ihren langsam im Wahnsinn dahinsiechenden ersten Mann Leopold Schulz von Straßnitzky eingesetzt. Dieser ehemals hohe Beamte war Patient des berühmten Psychiaters Meynert und so hatten sich die Freifrau und der Arzt kennen und achten gelernt. Natalia von Grimschitz dürfte wirklich eine aussergewöhnliche Frau gewesen sein. Sie konnte den geistigen Höhenflügen Meynerts jederzeit folgen und wurde von ihrer Stieftochter, der Schriftstellerin Dora Stockert-Meynert geradezu schwärmerisch verehrt. Das gemeinsame Glück in der Familie Meynert hielt leider nur relativ kurze Zeit an. Am 30. 5. 1892 starb Theodor Meynert, nachdem er die Auswirkungen seines schweren Leidens schon längere Zeit ertragen und energisch verdrängt hatte, an einem "organischem Herzfehler". Wie weit die schweren Schicksalschläge in seinem Leben zu diesem Herzproblem beitrugen, lässt sich nicht so genau abschätzen, doch dürften Ereignisse, wie der plötzliche Tod seiner jüngsten Tochter Christa (aus der Ehe mit Natalia), die kurz vor ihm jäh gestorben war, einiges damit zu tun haben. Natalia von Grimschitz nahm den Witwenstand sehr ernst. Sie trat in den III. Orden des Hl. Franziskus ein und widmete noch im Todesjahr ihrem verstorbenen Gatten ein Gedenkkreuz. 1892 stand es bereits auf dem Buchberg am Ende der heutigen Meynertgasse. In der Widmung schrieb sie: "Dem Gedenken des großen Psychiaters Theodor Meynert ließ Natalia Maria Grimschitz im Jahr 1892 dies Kreuz errichten."


Grab

Die Meynert-Gruft auf dem Friedhof Obere Stadt

Meynert-Kreuz

Das Meynert-Kreuz, Foto von 1967



Wichtigste Werke
(ausgewählt aus insgesamt 127 Publikationen)


Quellen:
Mag. Wolfgang Bäck: Dr. Theodor Meynert, in "Die Friedhöfe Klosterneuburgs", Klosterneuburger Kulturgesellschaft
Amtsblatt der Stadtgemeine Klosterneuburg 4/1977, Sondereinlage Nr. 85 Elisabeth Wellner, Aus gegebenen Anlaß - Wer war Theodor Meynert
Amtsblatt der Stadtgemeine Klosterneuburg 7/1983, Sondereinlage Nr. 143 Elisabeth Wellner, Vor 150 Jahren wurde Theodor Meynert geboren
http://www.springermedizin.at, Ärzte Woche 39/2004 W.Regal, M. Nanut "Der Mann, der das Gehirn beseelte"
http://www.austria-lexikon.at
Wikipedia, Die freie Enzyklopädie
Fotos:
Haus, Leopoldstr.62, Meynert-Gruft Dipl.-Ing. Heinz Köfinger

Gestaltung: Dipl.-Ing. Heinz Köfinger