Bedeutende Klosterneuburger
August Wilhem Freiherr von Babo
Erster Direktor der Weinbauschule in Klosterneuburg

PortraitAugust Wilhelm wurde am 28. Januar 1827 als Sohn des Freiherrn Dr. Lambert Joseph von Babo und dessen zweiter Ehefrau Emilie Geib in Weinheim (Baden-Württemberg, Deutschland) geboren. Sein Bruder war der Chemiker Lambert Heinrich Babo. Am 27. 3. 1852 heiratete er Auguste Margarethe Bender. Mit ihr hatte er 2 Töchter und 3 Söhne. Nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1871 verehelichte er sich am 7. 9. 1875 mit Elise Hartig. Diese zweite Ehe blieb kinderlos.

Vom Vater, einem bedeutenden Oenologen und Autor von Fachbüchern, übernahm er sein großes Interesse an Schriftstellerei und Landwirtschaft. Er studierte Agrarwissenschaft an den Hochschulen in Heidelberg und Freiburg und gründete danach eine landwirtschaftliche Schule in seiner Heimatgemeinde. In Karlsruhe wurde ihm etwas später am großherzoglichen Polythechnikum die Leitung des landwirtschaftlichen Versuchsweingartens übertragen.

1860 verließ er schließlich Baden-Württemberg in Richtung Österreich, wo er der erste Direktor der eben gegründeten Wein- und Obstbauschule in Klosterneuburg wurde. Diese zunächst private Institution, deren Räumlichkeiten das Chorherrnstift Klosterneuburg unter dem Propst Adam Schreck zur Verfügung Schule im Stift stellte, wurde dann 1863 vom Land Niederösterreich übernommen und 1874 zur staatlichen Fachmittelschule erhoben. In den Jahren 1875 - 78 konnte diese damals erste Schule ihrer Art aus den stiftlichen Gebäuden im Kuchlhof (Prälatenhof) in neue Gebäude übersiedeln, nachdem Babo noch 1870 die Gründung einer oenochemischen Versuchsstation erreicht hatte.

Auch diese Gründung war durch den Prälaten Adam Schreck   wohlwollend unterstützt worden. Der damalige Ackerbauminister Banhans schrieb an den Propst: "Durch die enge Anlehnung an die von Euer Hochwohlgeboren gegründete, von Baron von Babo so trefflich geleitete Weinbauschule soll die önochemische Versuchsstation in Klosterneuburg eine Förderungsanstalt für einen der wichtigsten Produktionszweige ins Leben führen, wie kaum ein anderes Land sie besitzt. -- " Zur Leitung dieser Versuchstation wurde nun wiederum ein bedeutender Mann aus Deutschland berufen: "Dr. Leonhard Roesler", Professor am großherzoglichen badischen Polytechnikum in Karlsruhe.

Freiherr von Babo gilt heute als Begründer des neuen Weinbaus und der modernen Fassboden mit Schuleroeffnung Kellerwirtschaft. Er steht für den Ausbau von Forschung und Lehre in Klosterneuburg. Auf August Wilhem von Babo geht die 1861 eingeführte Klosterneuburger Mostwaage (ºKMW, ºBabo) zurück. In der Zeitschrift "Die Weinlaube" (Herausgeber: "Weinbauschule") erfolgt in Nr. 17 vom 1. September 1869 die Vorstellung der von Babo konstruierten Mostwaage, genannt "Saccharimeter".

Seit Ausbruch der Reblauskatastrophe, die in Frankreich (1858-62) in Österreich im "Weinbaugebiet Donauland" 1867 und in Deutschland 1874 großflächig verheerenden Schaden im Weinbau anrichtete, kämpfte er gegen diese Gefahr an. Die erste Nachricht vom Auftreten des Schädlings in Klosterneuburg (das nicht großflächig betroffen war) stammt vom Juli 1867. Babo hatte die Reben von der Handelsgärtnerei Schnebler in Celle (Hannover) erhalten.

Nach von Babos Vorschlag wurde der Weinbau damals auf eine Unterlage aus reblausresistenten nordamerikanischen Reben umgestellt. Jedoch wollte es ein ironisches Schicksal, daß die Reblaus auf eben den speziellen Reben über Großbritannien nach Europa eingeschleppt wurde, die Baron Babo 1868 für Versuche zur Bekämpfung des Mehltau nach Österreich eingeführt hatte. Zeitweilig waren daraufhin die Anfeindungen gegen ihn so groß, daß er den Weg von seinem Heim zu seiner Arbeitsstätte in der Weinbauschule nur mit Gendarmeriebegleitung zurücklegen konnte.

Am 1.November 1893 trat der rastlose Forscher aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. Beeindruckend und berührend war die Kundgebung, die seine Schule am 7. Dezember 1893 für ihren Direktor veranstaltete. Vom Schwarzen Kreuz bewegte sich ein Fackelzug bis zu seinem Haus im Weidlingtal, wo ihm Anerkennung und Dank entgegengebracht wurde. Der Geehrte konnte nicht mehr selber danken, aber sein ältester Sohn konnte den Angekommenen doch die Gefühle seines Vaters übermitteln. August Wilhelm Freiherr von Babo starb am 16. Oktober 1894 in seinem Wohnhaus in Weidling und wurde auf dem Friedhof der Oberen Stadt in Klosterneuburg beigesetzt.


Einige Bilddokumente:

Geburtshaus
Babos Geburtshaus in Weinheim/Baden

Babo-Villa
Babo-Villa (jetzt Wohnheim Weidling)

Auguste u. Kinder vor 1.Schule
Auguste m. Kinder vor der 1. Schule
Mit Elise und Schwaegerinnen
Babo mit Tochter Emilie und beiden Schwägerinnen
Bild3
Oenologisches & Pomologisches Institut
Prof. Dr. Roesler
Prof. Dr. Leonhard Rösler
Roesler-Grab
Roesler-Grab mit herauswachsendem, efeuumrankten
Baum auf dem Obere-Stadt-Friedhof in Klosterneuburg
Friedhof Obere Stadt
Grab der Familie Reichsfreiherr von Babo
auf dem Obere-Stadt-Friedhof in Klosterneuburg
Babo Bueste
Babo Büste vor der HBLA für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg


Quellen:
Festschrift August Freiherrn von Babo zum 100. Geburtstag, Verlag Carl Gerold's Sohn
gegenwärtig lebende Nachkommen der Familie Babo
http://www.geschichte-des-weines.de
http://de/wikipedia.org/
A. von Babo/Eduard Mach, Handbuch des Weinbaus und der Kellerwirtschaft, Berlin 1881
Hofrat Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Josef Weiss
Gestaltung: Heinz Köfinger